Gibt’s denn sowas?“ – Trauerfeiern ohne Gebete

Gibt’s denn sowas?“ – Trauerfeiern ohne Gebete

Neulich, direkt nach einer weltlichen Trauerfeier, kam eine Dame auf mich zu. Sie war sichtlich empört: „Es wurde kein Vaterunser gebetet!“

Ich erklärte ihr ruhig, dass die Verstorbene sich ausdrücklich keine Gebete für ihre Trauerfeier gewünscht hatte. Die Dame schüttelte nur den Kopf: „Das gehört sich aber!“ Auch mein Hinweis, dass weder die Verstorbene noch die Angehörigen im christlichen Sinne gläubig waren, ließ sie nicht gelten. Mit einem entrüsteten „Ja, gibt’s denn sowas?“ zog sie von dannen.

Ja, sowas gibt es – und zwar immer öfter.

Weltliche Trauerfeiern kommen ohne kirchliche Leitung aus, weil religiöse Inhalte schlicht nicht der Weltanschauung der Betroffenen entsprechen. Das bedeutet nicht zwangsläufig, dass Gebete verboten sind: Manche wünschen sich dennoch ein Gebet „für alle Fälle“ oder weil die verstorbene Person zwar keiner Kirche angehörte, aber dennoch gläubig war.

Die Vielfalt moderner Abschiedsrituale ist groß – und das ist gut so. Doch die Erwartungshaltung, dass „alte Formen“ das Begräbnis bestimmen müssen, ist offensichtlich bei manchen Menschen nach wie vor tief verwurzelt.

Die Falle der leeren Hülsen

Jemandem, der aus der Kirche ausgetreten ist, eine christliche Bestattung zu „bescheren“, nur weil man es „immer schon so gemacht hat“, ist unfair. Es ist unfair gegenüber dem Verstorbenen, aber auch gegenüber der Kirche.

  • Die Sicht der Kirche: Warum sollte ein geistlicher Vertreter einen Wortgottesdienst oder sogar eine Hl. Messe für jemanden lesen, der bewusst kein Mitglied war?
  • Die Sicht des Verstorbenen: Wie fühlt es sich an, wenn am Sarg von Erlösung und Auferstehung gesprochen wird, wenn der Mensch selbst nie daran geglaubt hat?

Wenn Worte und Handlungen nicht zur Überzeugung des Menschen passen, werden sie zu leeren Hülsen. Sie trösten nicht – im Gegenteil: Sie können sogar verletzen, weil sie den Menschen in seiner Weltanschauung nicht tolerieren und ernst nehmen.

Die Entrüstung der Dame von neulich zeigt, dass weltliche Feiern endlich den Raum einnehmen, den sie verdienen. Sie fordern das Umfeld heraus, sich wirklich mit der verstorbenen Person auseinanderzusetzen, statt in den Autopiloten der Tradition und der Gewohnheit zu schalten. Ein Abschied, der wehtut und zugleich gut tut, weil er so individuell ist, tröstet auf lange Sicht mehr als eine Zeremonie, die sich wie eine Schablone anfühlt. Es ist für manche Angehörige vielleicht mutig, aber letztendlich auch richtig, diesen Weg zu gehen. Nur so kann ein Abschied gelingen, der den Menschen zeigt, wie er war - mit seiner Geschichte, seinen Ecken und Kanten, seinem Vermächtnis. Es geht um einen Abschied, der genau so individuell ist wie das Leben, das vorangegangen ist – und nicht so, wie ihn die Tradition gerne hätte.

Das Bild oben ist natürlich KI-generiert, mit einem Augenzwinkern ;-) zu verstehen und nicht despektierlich gmeint :-)

Eure Christine Pernlochner-Kügler

 

 

 

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